Predigt vom 16. Juli 2017

Evang. Laurentiusgemeinde Hagsfeld - Gottesdienst am 16. Juli 2017

Thema: Komm und sieh!  Predigttext: Johannes 1, 35-42
Prediger: Pfarrer S. Weber

Am nächsten Tag stand Johannes wieder da und zwei seiner Jünger; und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach. Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister -, wo ist deine Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen’s und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.

Eienr von den zweien, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte. Und er führe ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt „Fels“.

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Liebe Gemeinde,

Begeisterung steckt an! Da erzählt dir jemand total begeistert: „Hey, in den Film musst du unbedingt gehen!“ „Die Ausstellung ist absolut super!“ „Du musst unbedingt mal wieder in den Europapark, also die neue Achterbahn: Gigantisch!“

Ihr spürt es: Eine bessere Werbung als so ein begeistertes Erzählen kann es überhaupt nicht geben! Kein Wunder, dass grade die großen Veranstalter ganz wild darauf sind, bei Facebook und Co solche begeisterten Kommentare zu bekommen. So wachsen Fan-Gemeinden.

Und: So wächst auch die Gemeinde Jesu! Im Abschnitt des Johannesevangeliums, aus dem unser Predigttext stammt, ist es so berichtet: Da hat einer Jesus erkannt. Nicht nur äußerlich, sondern er ist ganz tief berührt worden, hat erfasst, dass Jesus eben mehr ist als ein besonders guter Mensch, dass er vielmehr in göttlicher Mission hier auf der Erde ist, um uns den Vater und seine Liebe zu zeigen. Dass er gekommen ist, die zu suchen und zu retten, die verloren sind – wie auch immer. Ja, dass dieser Jesus für uns alles gibt, sogar sein Leben. „Gottes Lamm!“

Wenn das passiert, wenn ein Menschen Jesus erkennt, wie damals Johannes der Täufer erkannt hat, dann geht es nicht mehr darum, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sich zu profilieren, womöglich noch auf Kosten anderer. Nein, dann muss Jesus in die Mitte. Dann muss er groß gemacht werden! Dabei hat dieser Johannes doch durch seinen asketischen Lebensstil und die gewaltigen Bußpredigten jede Menge Anhänger gefunden!

Zwei seiner Schüler spüren dieses ganz Besondere: Dass Johannes von sich weg auf Jesus weist, das ist ganz und gar nicht normal. Was ist das nur mit diesem Jesus?

So fängt Nachfolge an. Da weist dich jemand auf Jesus hin. Eigentlich bist du ja schon fertig mit ihm, hast dir deine Meinung gebildet. Aber in dem, wie der andere von Jesus redet, wirst du doch nochmal neugierig. Vielleicht lädt er dich zum Gottesdienst ein. Oder sie dich zum Glaubenskurs. Hey, komm doch mit, das musst du erleben! Komm und sieh!

Bei mir waren es zwei Diakoninnen, die sich damals, 1980, mit uns aufmüpfigen, jungen, wilden Jugendlichen abgegeben haben. Uns war das damals alles zu eng in der Gemeinde. Sie haben das ausgehalten. Immer wieder Jesus in den Mittelpunkt gestellt. Nächtelang saßen wir zusammen, diskutierten – und erkannten mehr und mehr von Jesus.

Diese zwei Jünger von Johannes dem Täufer machen es ähnlich. Sie bleiben nicht gleichgültig stehen, wenden sich nicht gelangweilt ab. Sie gehen diesem Jesus nach. Im wahrsten Sinn des Wortes. Dann entsteht ein leicht schräges Gespräch: „Was sucht ihr?“ fragt Jesus. Damit meint er: Welche Erwartung habt ihr, wenn ihr mir hinterher geht? Wollt ihr mehr Action als bei Johannes? Bessere Unterhaltung? Mehr Zuwendung? Was sucht ihr?

Interessante Frage: Was suchst du, wenn du zum Gottesdienst kommst? Was bewegt dich, einen Glaubenskurs zu machen? Warum beschäftigst du dich mit diesem Jesus, mit dem du eigentlich schon fertig warst?

Die zwei damals geben eine – sagen wir mal – interessante Antwort:

 „Meister, wo ist deine Herberge? Wo wohnst du?“ Dahinter steht: Jesus, wir wollen mehr mit dir zusammen sein. Mehr von dir hören. Wir wollen dich wirklich kennenlernen. Dir begegnen!

Manchmal denke ich: Das ist der entscheidende Schritt. Und heute ein ganz schwerer. Weil wir ja alle so viel zu tun haben und auf so viele Feste müssen und einfach sowieso viel zu viel ist. Da kannst du doch gar niemand mehr wirklich kennenlernen!

Aber darauf kommt es an, das zu wagen: Jesus näher kennenlernen wollen. Ihm begegnen wollen. Wenn du hinter das Geheimnis von Jesus kommen willst, wenn du erleben willst, dass er dir begegnet, dann geht das nicht im Vorbeigehen. Nicht umsonst heißt es schon im Alten Testament von Gott: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr.“ Das gilt auch für Jesus. Ob du dich traust, ihm nachzugehen? Dir Zeit für ihn zu nehmen? – Er lädt dich ein: „Komm und sieh!“

Versteht ihr: Ich kann nicht machen, dass dir Jesus begegnet. Aber er selbst will dir begegnen. Komm und sieh! Bleib dran, wende dich nicht nach dem ersten Kontakt von ihm ab. Suche ihn von ganzem Herzen! Er verspricht es: Er will und wird sich finden lassen.

Diese zwei damals jedenfalls sind durch einen Tag mit Jesus jedenfalls so tief angesprochen, dass sie das nicht für sich behalten können: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ – das ist ein Sprichwort gewordenes Wort von Jesus. Wie eine Kettenreaktion kommen andere dazu. Petrus, der erlebt, wie Gottes Sohn ihn durchschaut und in ihm sieht, was Gott noch mit ihm vorhat. Später noch der Skeptiker Nathanael, der kurz vorher noch meinte: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“ – Jesus begegnet ihnen, und sie sind tief berührt, überwältigt. Sie werden zu Nachfolgern.

„Wir haben den Messias gefunden!“ Das ist das Größte, was man finden kann: Wir haben den gefunden, der unserem Leben Sinn und

Erfüllung schenkt. Wir haben den gefunden, der uns Frieden mit Gott schenkt und sogar Leben über den Tod hinaus.

Nein, das kannst du nicht für dich behalten. Wenn du Jesus in deinem Leben erfährst, dann sind das nicht nur Worte. Dann ist das mehr als Tradition. Dann ist das der Hauptgewinn.

Davon kann ich doch nicht schweigen! Das sollen doch auch andere erleben! Ihr Lieben, wir sehen es doch in dieser Geschichte: Dazu braucht es nicht viel, keine großen Worte. „Komm und sieh!“ Das ist unser Job.

Aber das braucht es: Menschen, die anderen genau das weitergeben. „Ich bin im Gottesdienst, im Glaubenskurs, im Alphakurs Jesus begegnet. Dadurch ist in meinem Leben etwas anders geworden. Dadurch ist etwas richtig gut geworden. Willst du nicht mal mitkommen und dir das anschauen?“ Mehr ist es gar nicht. Alles andere muss Jesus dann selber machen. Und er macht es, das haben wir doch oft genug erlebt.

Aber dieses „Komm und sieh!“ Das ist unsere Aufgabe. Das ist Gottes Plan, wie Gemeinde wächst. Wie schön, wie wichtig ist es, wenn wir nicht nur begeistert Kuchenrezepte, die neue Diät oder die Erfahrungen mit einem bestimmten Fahrrad oder Auto weitergeben. Sondern uns trauen, begeistert von dem zu reden, der unser Leben reich macht. Von Jesus. Komm und sieh!

Amen.

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